Spagyrik nach Dr. Carl – Friedrich Zimpel

* 11.Dez.1801 in Sprattau, Niederschlesien
† 26.Juni 1879 in Pozzuoli, Kampanien

Spagyrik, was ist das eigentlich?
– eine kleine Einführung –

„Vor aller Theorie ist die Praxis, und einem praktischen Arzt muss es in erster Linie darum zu tun sein, den möglichst günstigen Erfolg am Krankenbette zu erzielen, gleichviel, komme er aus den Lehren der Universitäten im In- und Auslande oder aus denen der Anhänger Rademachers oder Hahnemanns. Alles, was imstande ist, der leidenden Menschheit in irgend einer Beziehung nützlich zu sein, muss er wissen, er weiß es aber erst, nachdem es ihm gelungen ist, die beobachteten Tatsachen nach den bestehenden Naturgesetzen zu erklären und sie denselben unterzuordnen.“

– Dr. med von Grauvogel, Zeitgenosse Hahnemanns (Einleitung Spabione 1930)

Der zentrale Gedanke der Spagyrik ist die Annahme einer grundsätzlich überall im Kosmos wirkenden Schöpfungsenergie, die sich in einer dreifachen Gliederung erfassen lässt.

Sie spricht hier von den sog. „Drei philosophischen Prinzipien“, die das kreative Element des Universums darstellen, traditionell als MERCUR, SULFUR und SAL bezeichnet. Alles Geschaffene wird von diesen drei immateriellen Prinzipien getragen.
Die Spagyrik nach Dr. Zimpel will an dieser Vorstellung ansetzen. Sie stellt aus Heilpflanzen spagyrische Essenzen her, indem sie nach alchemistischer Arbeitsweise die Prinzipienträger aus der gewachsenen Struktur herauslöst, bearbeitet und neu zusammenfügt. So transformiert sich der Träger des MERCURIUS-PRINZIPS in der Pflanze (Kohlenhydrate) während des Gärprozesses in Alkohol und der Träger des SAL-PRINZIPS (organisch gebundene Mineralstoffe) während der Veraschung in rein anorganische Salze. Die ätherischen Öle (SULFUR-PRINZIP) und verwandte wasserdampfflüchtige Stoffe werden durch diesen Prozess nicht verändert, sondern treten während der Destillation ins Destillat über. Nach Ansicht der Spagyriker führt diese Art der Herstellung zu einer Erhöhung und Freilegung der Heilkräfte aus dem Ausgangsmaterial.
Beim Menschen finden wir eine entsprechende Dreiteilung in Geist (MERCUR), Seele (SULFUR) und Körper (SAL).
In Gesundheit herrscht Harmonie unter den Prinzipien, eine Störung, eine Disharmonie bedeutet Krankheit.
Demnach bedarf es der Betrachtung aller Ebenen (Prinzipien), um zu einem umfassenden Verständnis von Gesundheit und Krankheit zu gelangen; die Gesamtschau des Menschen und ganzheitliches Denken ermöglichen sodann eine erfolgreiche Therapiebegleitend hierzu bieten sich Heilmittel an, die den Menschen in seiner Ganzheit ansprechen.
Spagyrische Essenzen besitzen durch ihre Herstellung dieses Potential.
Sie initiieren einen Entwicklungsprozess, stärken und aktivieren die Selbstheilungskräfte und stellen Heilenergie für die Genesung zur Verfügung. Der Kranke findet wieder in seine natürliche Ordnung und in die Ordnung des ihn umgebenden Systems.

Dazu gilt es in der Diagnostik wie im Therapieansatz Grundlegendes zu bedenken:

Der Mensch ist in einen Kreis von Wechselbeziehungen eingebettet.

Primär von Bedeutung sind dabei die Funktionsabläufe, deren Zusammenhänge weit über den Organbezug hinausgehen, wobei die Organe als Funktionsträger verstanden werden – „zunächst war die Funktion, und die Funktion schuf sich das Organ als Werkzeug“.
Stoffwechselvorgänge der einzelnen Organsysteme beeinflussen sich untereinander, emotionale und hormonelle Einflüsse greifen nahtlos in die Physiologie des Stoffwechsels ein und steuern auf ihre Weise das Geschehen.
Diese vernetzten Beziehungen dienen der Eigenregulation des Organismus im körperlichen wie im psychischen Bereich.
Derartige Grundlagen finden wir in der alchemistischen Betrachtung ebenso wie im funktionellen Konzept der TCM und neuerdings auch in Bereichen moderner Heilkunde. Hier ist der Begriff der Psycho-Neuro-Immunologie schon seit längerer Zeit im Fokus der Forschung und es deuten sich Zusammenhänge und Erklärungen für Interaktionen der einzelnen, über viele Jahre isoliert betrachteten Bereiche an, die auf unsere Gesundheit Einfluß nehmen. Die Psychologie, Neurologie, Endokrinologie, das Immunsystem, die Physiologie … all das fügt sich scheinbar in ein Regulationsschema ein, das in seiner Gesamtheit dem Menschen innewohnt und sein Wesen und seine Gesundheit prägt.
Das Wissen um die wechselseitigen Beziehungen der einzelnen Organsysteme ermöglicht uns sowohl in der Therapie wie auch vorausschauend in der Prophylaxe den „inneren Arzt“ zu unterstützen. „Wird die Natur nur geschützt, so ist sie es selbst, die alle Krankheiten heilt, denn sie weiß, wie sie sie heilen soll. Der Arzt kann es nicht wissen und daher besteht seine Aufgabe nur darin, die Natur zu schützen.“ (Paracelsus)
Und weiter: „ … Der äußere Arzt beginnt erst, wenn der innere unterliegt, verzweifelt, ermüdet.“ (Paracelsus)

Wir wollen dazu einzelne Organsysteme näher betrachten, Funktionsabläufe und Regelkreise aufzeigen und erfolgreiche Therapiemöglichkeiten vermitteln.